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TraumAlos e.V. - Menschen für Menschen
Erste Hilfe: Sprich doch mal!

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Seit Wochen redet ihr nicht mehr.

Seit Monaten wart ihr nicht mehr gemeinsam weg.

Wer ist dein Gegenüber? Wo ist der Mann, den du liebst? Wo ist die Frau, mit der du noch vor wenigen Wochen Pferde stehlen warst? Wo ist der Papa, der mit deinen Kindern spielt? Warum hat Mama keine Zeit? Wo ist dein Sohn, der immer so gerne gelacht hat? Wo ist dein Freund, mit dem du die Welt verändern wolltest? Er / Sie steht vor dir, doch du erkennst ihn / sie nicht mehr...

Manche Erlebnisse verändern uns, verletzten uns. Oft haben wir Angst darüber zu sprechen. Mal ist es uns peinlich, denn seit wann sind wir schwach? Wir wollen den, den wir lieben, nicht mit unseren Sorgen belasten. Wir wollen stark sein. Doch was, wenn stark sein nicht mehr klappt?

Dir kommen diese Zeilen bekannt vor? Ein Mensch der dir nahe steht hat sich sehr verändert? Du fragst dich: "Was soll ich tun?", "Soll ich ihn darauf ansprechen?" und "Wie soll ich das überhaupt machen?"

In den nächsten Zeilen geben wir dir ein paar Ratschläge, wie ein solches Gespräch von Mensch zu Mensch aussehen kann. Reden tut gut. Nimm dir doch einfach mal Zeit für eine lange Antwort, wenn du deinem Gegenüber die Frage stellst: "Wie geht es dir?"

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Zuerst einmal sei gesagt: Aktives Zuhören ist keine Technik, sondern eine Grundeinstellung. Es ist unsagbar wichtig, dass ihr euch einen ruhigen und neutralen Ort dafür sucht. Neutral bedeutet, dass der Aufenthaltsort euch beiden nicht allzu vertraut sein sollte. Das vermindert nämlich die Gefahr, dass das Gespräch von anderen unterbrochen wird, oder ihr zu sehr abschweift.

Und jetzt wie im Kino: Handy aus! Kaum etwas zerstört mehr die neu geschaffte Vertrauensbasis als ein klingelndes Handy: Der rote Faden löst sich in nichts auf und etwas, das dein Gegenüber dir gerade noch anvertrauen wollte, verschwindet in den Tiefen des "Crazy Frog"-Klingeltons!

Karl Rogers war im Übrigen der Meinung, dass ein Gesprächspartner angenommen und wertgeschätzt werden muss.

© Günter Havlena/PIXELIO
Ebenso solltest du ein wenig Empathie (einfühlendes Verhalten) aufbringen und die Gefühle deines Gesprächspartners in deinem Verhalten widerspiegeln können. Wenn du lachst, während dein Gegenüber am Boden zerstört ist und am liebsten in Tränen ausbrechen möchte, bist du eindeutig nicht der richtige Gesprächspartner.
'Tausch und Tausch' setzen hier noch einen darauf, indem sie sagen, dass es zudem auch wichtig sei, dass du dich selbst angenommen haben solltest, wie du bist, dass du dich selbst verstehst und wertschätzt. Ohne diese Voraussetzungen wirst du auch kein guter Zuhörer.

Bevor dein Gesprächspartner dir nun sein Vertrauen schenkt, solltest du ein ehrliches und offenes Interesse an ihm als Menschen zeigen. Dazu gehören drei wesentliche Punkte:
  • Hör einfach mal zu, ohne zu werten und unterbreite vor allem KEINE spontanen Lösungsvorschläge! Wenn dein Gegenüber einen Lösungsansatz hören möchte, wird er dich mit Sicherheit danach fragen.
  • Unterbreche seine Worte nicht ohne dringende Notwendigkeit. Fragen können warten, denn ist er einmal im Redefluss wird er merken, dass es manchmal gut tut, sich alles einmal von der Seele zu reden.
  • Und jetzt das Allerwichtigste: Versuche stets, deine eigenen Gedankengänge auszublenden, wenn dein Gegenüber redet. Schenke ihm deine komplette Aufmerksamkeit, denn wenn er auch nur einen kurzen Moment das Gefühl hat, dass du ihm nicht zuhörst, blockt er vielleicht ab und du verlierst sein Vertrauen.

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Vergiss dabei bitte nie, dein Gegenüber erzählt dir vielleicht seine tiefsten Ängste, seine innersten Gefühle. Vielleicht bist du der Erste, mit dem er reden kann, weil heute der richtige Moment ist. Vielleicht bist du sogar der erste Mensch, mit dem er redet. Ihm jetzt das Gefühl zu geben: "Schön, dass du mit mir redest, aber eigentlich habe ich Besseres zu tun." kann dein Gegenüber so sehr verletzten, dass er wieder ins Schweigen verfällt und seine Last weiterhin alleine mit sich trägt.

Wenn er sich jedoch irgendwann alles von der Seele geredet hat (du wirst merken, wann der Moment gekommen ist), kannst du anfangen, Unklarheiten zu hinterfragen. Frag ruhig, wenn du etwas nicht genau verstanden hast Du kannst auch das Gesagte mit deinen eigenen Worten erst einmal kurz und prägnant wiederholen um zu sehen, ob du alles richtig verstanden hast. Tu dies aber bitte ohne eigene Wertung!

Zu guter Letzt: Dieses Gespräch zwischen euch beiden hat unter vier Augen stattgefunden. Nichts davon darf an Dritte weitererzählt werden, außer vom Betroffenen selbst! Vergiss nicht: Du bist vielleicht der Erste, der die tiefsten Gefühle deines Gegenübers kennt. Dieses Vertrauen ist ein ganz wunderbares Geschenk.

Jetzt kann es auch mal passieren, dass du in dem Gespräch merkst: "Ups, hier weiß ich aber gar nicht weiter." Dann schlage doch einfach vor, sich Rat von Dritten zu holen.

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Dieser Rat von Dritten kann ganz unterschiedlich aussehen: Vielleicht holst du einen Menschen hinzu, der deinem Gegenüber ganz nahe steht. Vielleicht einen Pfarrer, einen Peer oder sogar einen Psychologen. Du kannst dich aber auch jederzeit an uns wenden und einfach einmal nachfragen.
TraumAlos e.V. besteht nicht nur aus Psychologen und Ärzten, im Gegenteil: Wir sind ganz normale Menschen, Menschen, die teilweise ihre eigenen Erfahrungen gemacht haben. Menschen, denen selbst geholfen wurde. Menschen, die schon oft geholfen haben und Menschen, denen es einfach wichtig ist, für andere da zu sein. Von Mensch zu Mensch.
Natürlich arbeiten wir auch eng mit Fachleuten zusammen und lassen uns beraten. Aber: Es ist auch schön, wenn ein Mensch sich selbst helfen kann, indem er einfach mal redet.

Nachdem du nun bis hierher gelesen hast, merkst du vielleicht: Hey, auch ich kann helfen. Es braucht nicht immer viel dafür, oftmals bedarf es nur eines offenen Ohres und etwas Menschlichkeit.
  • Zeig deinem Gegenüber einfach, dass er dich interessiert.
  • Lass dein Gegenüber in Ruhe reden und gib ihm die Zeit, die er braucht.
  • Halte mögliches Schweigen aus und zwinge nicht zum Reden.
  • Lass deinem Gegenüber ruhig Raum für Gefühle.
  • Höre aber bitte nur so lange zu, wie du es selbst ertragen kannst.
  • Es ist vollkommen in Ordnung zu sagen: "Du, hier kann ich dir nicht helfen. Lass uns doch einen anderen Weg finden."
  • Versuche bitte NIE zu therapieren, das geht nämlich mit hoher Wahrscheinlichkeit schief. Für Therapien gibt es ganz wunderbare Fachleute!

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Zusammengefasst lässt sich sagen: Schenke deinem Gegenüber einfach deine Zeit und dein Vertrauen und pass auf, dass du dich nicht übernimmst und seine Probleme zu deinen machst.

Die eben genannten Tipps sind natürlich kein Rezept mit dem Effekt der Wunderheilung, vor allem helfen diese nicht bei ernsthaften psychischen Problemen oder gar einer Traumatisierung! Es ist ein erster Schritt für dein Gegenüber, sich zu öffnen und seine Gedanken nicht im Verborgenen zu halten. Dessen bist du dir aber bestimmt bewusst. Dennoch sei an dieser Stelle gesagt:
Nicht jeder Mensch der Schlimmes erlebt hat, ist automatisch traumatisiert und krank.

Wir wünschen dir viel Erfolg beim Zuhören und wenn du Fragen hast, melde dich ruhig. Wir freuen uns, von dir zu hören!

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Letzte Änderung: 14.01.2012
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